Systeme mit 60/120 Kanälen

Über speziell verlegte Kabel (zweigleisig, je ein Kabel für Hin- und Rückrichtung) mit einem Leiterdurchmesser von 1,3 mm und Papierisolation konnten 60 Kanäle übertragen werden. 5 Primärgruppen (60 – 108 kHz) werden zu einer Sekundärgruppe (SG) oder auch 60-Kanal-Gruppe zusammengefasst und in ein Frequenzband von 12 – 252 kHz umgesetzt. Der spätere Einsatz von Kabel mit Styroflex-Isolation ermöglichte die Übertragung von Frequenzen bis 560 kHz.  Dadurch konnten 2 SG, also 120 Kanäle übertragen werden.

Mitte der 60er Jahre erfolgte der Ausbau mit röhrenbestückten Einrichtungen des Systems V60/120. Ringförmig beginnend in Berlin wurden die Bezirksstädte der  DDR durch den Nordring (Neubrandenburg, Rostock, Schwerin) und den Südring (Cottbus, Dresden, Karl-Marx-Stadt, Leipzig, Halle, Magdeburg, Potsdam und von Karl-Marx-Stadt und Leipzig nach Gera, weiter nach Erfurt und Suhl) miteinander durch 8- bzw. 16-paarige, zweigleisige Kabel verbunden. Etwa aller 18 km wurden unbesetzte, ferngespeiste mit Röhren bestückte Zwischenverstärker installiert. Das darüber realisierte Netz von PG- und SG-Verbindungen bildete die Grundlage für den Selbstwählferndienst in der DDR.

KU 48-Schrank; Kanalumsetzerschrank

(VEB FMW Bautzen, Baujahr 1965 – 1975)

KU 48- Schrank mit 7 VG-Einschüben und 5 PG-VrIm Schrank 2600x600x225mm (HxBxT) befinden sich vier 12-Kanalsysteme. Vier mal 12 Fernsprechkanäle (300 Hz – 3400 Hz) werden in 4 Primärgruppen (60 kHz – 108 kHz) umgesetzt. Die Modulation erfolgt über zwei Amplitudenmodulationsstufen (wie bei dem Trägerfrequenzsystem Z12/V24). Die Fernsprechkanäle 1, 2 und 3 eines 12-Kanalsystems werden einzeln mit den Kanalträgern 12 kHz, 16 kHz und 20 kHz moduliert und bilden die Vorgruppe 1. Mit den gleichen Kanalträgern werden ebenso die Fernsprechkanäle 4, 5 und 6 umgesetzt und bilden die Vorgruppe 2. Für die Vorgruppen 3 und 4 wird analog verfahren. Die insgesamt 4 Vorgruppen werden mit je einem Vorgruppenträger (120 kHz, 108 kHz, 96 kHz und 84 kHz) zu Primärgruppen zusammengefasst. Die Demodulation der Primärgruppen in Empfangsrichtung erfolgt technisch in gleicher Weise, in umgekehrter Reihenfolge. Alle benötigten Trägerfrequenzen werden  in einem gesonderten Trägerversorgungsschrank erzeugt und dem KU 48 Schrank zugeführt.

Bild 6: KU 48-Schrank, Ausschnitt mit 7 Vorgruppeneinschüben und 5 Primärgruppenverstärkern

 

 

 

 

 

UKM-Schrank; Unifizierter Kanalumsetzerschrank mit mechanischen  Filtern

(VEB FMW Leipzig, Baujahr ca. 1970 – 1976)

UKM- Schrank, Ausschnitt mit TV und 4 PGuSIm Schrank 2600x600x225mm (HxBxT) werden 120 Fernsprechkanäle (300 Hz – 3400 Hz) in 10 Primärgruppen (60 kHz – 108 kHz) umgesetzt. Vor allem der Einsatz mechanischer Filter gestattet die Erhöhung der Kapazität des Schrankes. Die Aufbereitung der 10 Primär-gruppen erfolgt über eine Vormodulation aller Kanäle mit 200 kHz. Danach wird jeder Kanal mit einem kanalindividuellen Träger umge-setzt. Die Träger der zweiten Modulationsstufe liegen im Abstand von 4 kHz im Bereich von 308 kHz – 264 kHz. Alle benötigten Trägerfrequenzen werden im Schrank erzeugt. Dafür ist die Zuführung einer 60 kHz –Steuerfrequenz notwendig.

Bild 7: UKM-Schrank, Ausschnitt mit einer Trägerversorgung  und 4 Primärgruppensystemen

 

 

 

 

 

 

VKM-Gestell; Vereinheitlichtes Kanalumsetzergestell mit mechanischen  Filtern

(VEB Fernmeldewerk Leipzig, Baujahr ca. 1976 bis 1990)

VKM- Gestell mit 5 PGUs, TV und PrüfblockDer weitere Einsatz moderner Bauelemente, wie integrierte Schaltkreise, gestatteten die Umsetzung von 300 Fernsprechkanälen (300 Hz – 3400 Hz) in 25 Primärgruppen in einem Gestell 2600x600x225 mm (HxBxT). Die Modulation bzw. Demodulation erfolgt wie bei dem UKM-Schrank. Alle benötigten Trägerfrequenzen werden im Schrank erzeugt. Dafür ist die Zuführung einer 60 kHz –Steuerfrequenz notwendig.

 Bild 8: VKM-Gestell, Ausschnitt mit 5 Kanalumsetzerystemen, Trägerversorgung und Prüfblock

 

 

 

 

 

VPU – Gestell; Vereinheitlichtes  Primärgruppenumsetzer- Gestell

(VEB FMW Leipzig, Baujahr ca. 1973 – 1985)

VPU-GestellAus je 5 Primärgruppen 60 kHz – 108 kHz wird durch Umsetzung mit 5 Primärgruppenträgern eine Sekundärgruppe in Basislage 312 kHz – 552 kHz gebildet (60 Fernsprechkanäle). Im Gestell 2600x600x225mm (HxBxT) können bis zu 24 Sekundärgruppen realisiert werden (nur 16 Sekundärgruppen, wenn die Steuerfrequenzerzeugung im gleichen Gestell erfolgt). Mit nachgeschalteter Sekundärgruppentechnik, die z.B. im EGU-Schrank (Einheitsgruppenumsetzer- Schrank) oder VPS-Gestell (Vereinheitlichtes Primär- und Sekundärgruppenumsetzer- Gestell) eingesetzt ist, können V60/V120 – Leitungsbänder aufbereitet werden, die zur Übertragung über spezielle Trägerfrequenzkabel zur Gegenstelle übertragen werden. (EGU-Schrank und VPS-Gestell sind leider nicht im Museumsbestand!). Für die Zusammenstellung höherkanaliger Frequenzbänder (z.B. 15-SG-E, 15-Sekundärgruppen-Einheit) ist ein VSU-Gestell (Vereinheitlichtes Sekundärgruppenumsetzer- Gestell) nachzuschalten.

Bild 9: VPU-Gestell, Ausschnitt mit 6 Sekundärgruppensystemen

 

 

 

 

 

ULB 120 – Schrank; Unifizierter Leitungsverstärker- Schrank 120

(VEB FMW Leipzig, Baujahr ca. 1968 – 1980)

ULB 120Im Schrank 2600x600x225mm (HxBxT) können bis 8 Zwischen- oder 8 Endverstärkersysteme für V60- oder V120- Betrieb eingesetzt werden. Der ULB 120- Schrank verstärkt und entzerrt die Freqeunzbänder 12 kHz – 252 kHz  bzw. 312 kHz – 552 kHz in Empfangs- und Senderichtung. Bei reinem V 60- Betrieb wird in der Regel das untere Frequenzband übertragen, bei Verstärkung eines V120- Bandes werden beide Frequenzbänder gleichzeitig übertragen.

Bild 10: ULB 120-Schrank, Ausschnitt mit Endverstärkersystemen und einer Pilotmess- und Stromverteiletage

 

 

 

 

 

UKE 120- Schrank;  Unifizierter Kabelendschrank 120

(VEB FMW Leipzig, Baujahr ca. 1968 bis 1980)

IMG_5256Der V 60- und V 120- Betrieb erfolgte über zweigleisige symmetrische TF-Kabel. Zur Übertragung einer V120 kamen Kabel mit Kupferadern von 1,3 mm Durchmesser und einer Isolation aus Styroflex (gerecktes Polystyrol) zum Einsatz. In der Regel waren die Kabel 8-paarig. Diese Kabel wurden im UKE 120- Schrank 2600x600x225 mm (HxBxT) auf speziellen Endverschlüssen abgeschlossen. Im Schrank befinden sich u. a. TF-Fernleitungsübertrager, Isolations-Überwachungseinrichtungen und bei Bedarf Fernspeiseeinrichtungen. Bei Übertragungsabschnitten größer als 12 km wurden in Verstärkerpunkten (im Betonschacht)  transistorisierte Zwischenverstärker betrieben, Die Fernspeisung lieferte dann der UKE 120-Schrank.

 Bild 11: UKE 120-Schrank, Ausschnitt mit Lötverteilern u. a. für geschirmte Innenverbindungsleitungen, 4 Trennplatten für Abschluss der TF-Kabel hinter verschließbaren Blechtüren (mit Warnhinweis), 6 Fernspeiseblöcken

 

 

 

 

 

ETG(B)- Schrank; Einheitsträgerversorgungsschrank

( VEB FMW Leipzig, Baujahr ca. 1968 bis 1977)

ETG (B)-SchrankDer ETG (B)- Schrank 2600x600x225mm (HxBxT) erzeugt alle Frequenzen für die V60/V120- Technik. Aus einem quarzstabilisierten Grundgenerator 960 kHz werden durch Teilung und Vervielfachung alle erforderlichen Frequenzen gewonnen. Für die Pilot- und Signalfrequenzen sind weitere Generatoren im ETG(B)- Schrank eingesetzt. Der ETG(B)- Schrank in der Übertragungsstelle hatte eine wichtige Bedeutung. Ein Ausfall der Trägerversorgung wurde durch Dopplung aller Kassetten im Schrank, die im Störungsfall automatisch umschalteten, unwahrscheinlich. Selbst die Betriebsspannung war in der Regel zweifach zugeführt.

Bild 12: ETG(B)-Schrank, Ausschnitt mit diversen Vor- und Endverstärkerkassetten für verschiedene Trägerfrequenzen

 

 

 

 

 

UV- Schrank; Unifizierter Verteilschrank

(VEB FMW Leipzig, Baujahr ca. 1968 bis 1989)

UV-Schrank, Ausschnitt mit links und rechts angeordneten geschirmten LötverteilernIm UV-Schrank 2600x600x225mm (HxBxT) wurden bis 70 Ein- und Ausgänge von Primär- und Sekundärgruppen auf geschirmten Lötverteilern abgeschlossen. Mit sogenannten Rangierleitungen wurden die Primär- bzw. Sekundärgruppen flexibel miteinander verbunden. Der UV- Schrank fand auch Verwendung für den Abschluss von TF-Grundleitungen und höherkanaliger Technik, wie 15- Sekundärgruppeneinheit. Dazu wurde der UV- Schrank mit koaxialen Schaltelementen ausgerüstet. Auch in der digitalen Übertragungstechnik wurden teilweise UV- Schränke eingesetzt

Bild 13: UV-Schrank, Ausschnitt mit links und rechts angeordneten geschirmten Lötverteilern

 

 

 

 

 

UVT- Schrank; Unifizierter Verteil- und Transitschrank

(VEB FMW Leipzig, Baujahr ca. 1968 bis 1985)

UVT- SchrankIm UVT- Schrank 2600x600x225mm (HxBxT) können in der oberen Schrankhälfte 35 Ein- und Ausgänge von Primär- und Sekundärgruppen auf geschirmten Lötverteilern abgeschlossen werden. In der unteren Schrankhälfte sind 18 Einbauplätze für Transitfilter für Primär- oder Sekundärgruppen vorgesehen. Eine gemischte Bestückung ist nicht gestattet.Transitfilter werden für die Durchschaltung von Basis-Primärgruppen 60 kHz – 108 kHz bzw. Basis- Sekundärgruppen 312 kHz – 552 kHz eingesetzt, wenn PG- bzw. SG- Verbindungen über zwei Abschnitte zu schalten waren. Die Transitfilter verfügen über eine hohe Flankensteilheit. Sie begrenzen damit das durchzuschaltende Frequenzband besser als die Filter in den PG- bzw. SG- Umsetzereinrichtungem

Bild 14: UVT-Schrank, oben mit Lötverteilern, unten mit 6 Primärgruppentransitfiltern

 

 

 

 

 

Ergänzendes Bildmaterial V60/ 120