Systeme mit 1800 Kanälen

Hierunter verstand man im engeren Sinne nur die Umsetzer,  die Sekundärgruppen zu Systemen von 1800 (1920) Kanälen zusammensetzten, und nachgeschaltete Leitungstrakte. Die Bildung von Primärgruppen (PG) und Sekundärgruppen (SG) übernahmen die gleichen Einrichtungen, die bereits unter dem Abschnitt „V60/120 Technik“ beschrieben wurden. Als Kanalumsetzer kamen also KU48-, UKM- und VKM- Einrichtungen in Frage, als PG-Umsetzer ein VPU- bzw. VPS-(hier nur SG- Bildung ohne V120 Umsetzung) Gestell. Typisch war z. B. die Hintereinanderschaltung von UKM bzw. VKM- Technik, VPU- und VSU-Gestellen. Im VSU-Gestell wurde eine 15 SG-Einheit gebildet, die mit einer weiteren nochmals umgesetzten  15 SG-Einheit zu einem Leitungsband von insgesamt 1800 Kanälen zusammengefasst wurde.

1964 wurde das erste Tubenpaar der MKKM1  in Betrieb genommen. Bei der MKKM1  (dt. svw. Internationale Koaxialkabel Magistrale) handelte es sich um ein Viertubenkabel  zwischen Berlin und Moskau, betrieben mit dem sowjetischen Fernverkehrssystem K 1920. Zwischenämter gab es u. a. in Radebeul, Usti, Prag, Katowice und Lwow. Über jeweils zwei Tubenpaare konnten (Kanal-) Frequenzen bis zu 8,5 MHz übertragen werden, zuerst Fernsehprogramme (im Rahmen der Intervision) und 300 Fernsprechkanäle. Aller 6 km waren ferngespeiste, röhrenbestückte Verstärkerpunkte erforderlich.

Ab Anfang der 70er Jahre wurden in der DDR Sechstubenkabel, die dem Ausbau des SWF-Verkehrs dienten, neu verlegt. Umsetzer- und Trakteinrichtungen (VSU, VLT 1800) waren transistorisiert. Der Verstärkerabstand von 6 km blieb unverändert. Die MKKM1 wurde bis ca. 1984 auf VLT umgerüstet, die Umsetzereinrichtungen der K1920 wurden bereits ab 1976 durch VSU ersetzt.

VSU – Gestell; Vereinheitlichtes  Sekundärgruppenumsetzer- Gestell

(VEB FMW Leipzig, Baujahr ca. 1974 – 1989)

VSU-Gestell, Bildung 15 SGEDas VSU-Gestell  ist ein SG-Umsetzergestell zur Bildung von 300/900/ 960 bzw. 1800/1920 Kanalbündeln. Bei der Deutschen Post wurde allerdings nur die Variante „Bildung von 15- Sekundärgruppeneinheiten (V900)“ angewandt. Je zwei 15 SG- Einheiten können zu einer V1800 zusammengeschaltet werden, wobei die erste 15 SG- Einheit (312 bis 4028 kHz) ohne Umsetzung übertragen und die zweite 15 SG-Einheit durch Modulation mit 8432 kHz in das Band 4404 – 8120 kHz verlagert wird. Im Gestell 2600x600x225mm (HxBxT) haben bis zu vier 15 Sekundärgruppen- Einheiten Platz. Der VSU-Grundgenerator arbeitet mit 960 kHz. Das Gestell kann über einen  60 kHz- Ausgang weitere Schränke steuern bzw. über einen 60 kHz-Eingang auch selbst gesteuert werden.. Alle erforderlichen Frequenzen (Träger, Hilfsträger, Pilote) werden im Gestell erzeugt. In der Empfangsrichtung werden die SG-Pilote (411,92 kHz) zyklisch abgestastet und ggf. geregelt.

Bild 15: VSU- Gestell, Ausschnitt mit einem System zur Bildung einer 15 SG- Einheit.

VLB- Gestell; Vereinheitlichtes  Leitungsverstärker- Gestell

(VEB FMW Bautzen, Baujahr ca. 1975 – 1989)

V 1800Das Leitungsverstärkergestell ist ausgelegt für die Übertragung von 1800 oder 1920 Ferngesprächen. Im Gestell 2600x600x225mm (HxBxT) können zwei Endverstärkersysteme oder ein Zwischenverstärkersystem, also insgesamt 4 Tuben untergebracht werden. Im Gestell  befinden sich unter anderem Fernspeisegeräte,  -weichen und Piloteinrichtungen. Auf dem Leitungstrakt werden zwei Pilote (308 und 8544 kHz) übertragen. Aller 6 km ist ein Zwischenverstärker (VLU) erforderlich. Die Fernspeisung erfolgt vom VLB-Gestell (ca. 85 mA Fernspeisestrom, max. 30 VLU, pro VLU ca. 30 V Spannungsabfall, damit max. Spannung 950 V). Für die Pegelregelung wird der Pilot 8544 kHz verwendet. Abweichungen des Pilotpegels führen zu Änderungen des Fernspeisestromes, sodass jeder VLU in die Regelung einbezogen ist.

Bild 16: V 1800, VLB-Gestell mit 2 Fernspeisegeräten

VKD- Gestell; Vereinheitlichtes  Kontroll- und Dienstleitungsgestell

(VEB FMW Bautzen, Baujahr ca. 1975 – 1989)

VLT 1800, VKD-Gestell

Das VKD- Gestell realisiert die Fernüberwachung des Traktes. Außerdem dient es der Übertragung von Dienstgesprächen über die symmetrischen Beipackadern.

Überwacht werden Signalkontakte, Druckgaseinrichtungen und der Isolationswiderstand des Kabels. Die Überwachungseinrichtung – auch Telemechanik  genannt – kann Ortungsgeneratoren ansteuern, die in den VLU-Leitungsverstärkern Meßfrequenzen in den V1800-Trakt einspeisen.

Dienstgespräche sind nicht nur traktbezogen möglich. Im VKD können sämtliche Dienstleitungen einer Übertragungsstelle abgestützt werden.

Bild 17: VKD-Gestell, Ausschnitt mit Fehlerortungs- und Dienstleitungsetage

 Ergänzendes Bildmaterial