Übertragungstechnik

Niederfrequenz-Übertragungstechnik

Sollten Gespräche über große Entfernungen geführt werden, genügten Kupferleitungen ohne besondere Vorkehrungen nicht mehr den Anforderungen an Lautstärke und Verständlichkeit.  Je größer die Entfernung zwischen Sender und Empfänger ist, umso geringer ist das ankommende Signal. Hinzu kommt, dass höhere Frequenzen (3400 Hz) stärker gedämpft werden als niedrigere (300 Hz). Oder anders ausgedrückt: Die Reichweite hoher Frequenzen ist geringer als die Reichweite niedriger Frequenzen.

Durch Einsatz der sogenannten Pupinspulen,  die regelmäßig aller 1,7 km in die Kupferleitung eingefügt wurden, erreichte man, dass hohe und niedrige Frequenzen annähernd gleich gedämpft wurden.

Mittels aktiver Elemente (das sind Verstärker, ausgestattet mit Elektronenröhren oder Halbleiterbauelementen) wurde der Signalpegel wieder auf den Ursprungswert angehoben. Durch Kettenschaltung von Verstärkern aller 50 – 70 km konnte nahezu jede Entfernung überbrückt werden.

Zusätzlich zu den Verstärkern waren zahlreiche Zusatzeinrichtungen im Einsatz. Stellvertretend sind zu nennen Gabelschaltungen zur Richtungstrennung am Verstärkerstandort, Nachbildungen zur Verhinderung von Rückkopplungen, Entzerrer zur Begradigung der Frequenzganges und Rufeinrichtungen verschiedener Ausführung zur Übermittlung von Signalen.

In der Sammlung befinden sich Einrichtungen mit Halbleiterbestückung wie

  • ENF II   ( Gabel, Nachbildung, Rufsatz)
  • AllVr IV (Verstärker, Entzerrer, Nachbildung, Rufsatz)
  • VNF      (Verstärker, Entzerrer, Nachbildung, Rufsatz)
  • NLT-Vr (negativer Leitungswiderstand)

Rundfunk-Übertragungstechnik

Rundfunksignale zwischen den Funkhäusern (Studios) und zwischen Studio und Sender im Frequenzbereich von 30 Hz bis 15 kHz wurden bis in die 1990er Jahre über Kabel übertragen. Verstärker und Entzerrer halfen, die für den Rundfunkbetrieb deutlich höheren Qualitätsanforderungen zu realisieren. Da Rundfunk wie eine Einbahnstraße funktioniert, sind keine Gabelschaltungen und Nachbildungen erforderlich.

 

Rundfunkleitungsverstärkerschrank

(Fernmeldewerk Leipzig, Entwicklung 1955, Aufbau bei der DP ab 1958)


In einem Schrank 2000x600x250mm (HxBxT) können bis zu 15 Leitungsverstärker bzw. 15 Trennverstärker untergebracht werden. Der hier aufgebaute Schrank ist nur mit Trennverstärkern bestückt. Einstufige Röhren-Trennverstärker dienen der Entkopplung der abgehenden Leitungen. Es findet keine Verstärkung statt. Leitungsverstärker besitzen zwei Verstärkerröhren. Die max. Verstärkung beträgt 48 dB. Beide Verstärkertypen arbeiten im Frequenzbereich zwischen 30 Hz und 15 kHz. Der max. Abstand zwischen zwei RfÜSt (Rundfunkübertragungsstellen) kann je nach Aderntyp bis 72,5 km betragen. Der Schrank gehört zum System RLVE 55 (Rundfunkleitungsverstärkereinrichtung 55).

Bild: Rundfunkleitungsverstärkerschrank, bestückt mit 15 Trennverstärkern

 

 

Rundfunk- Programmschaltfeld

(Fernmeldewerk Leipzig, Entwicklung 1955,  Aufbau bei der DP ab 1958)


In einem Schrank 2000x600x250mm (HxBxT) können ankommende bzw. abgehende Leitungen über Kreuzverteiler mit Eingängen/ Ausgängen von Leitungs- bzw. Trennverstärkern verbunden werden. In dem im Museum aufgebauten Schrank befinden sich 4 Buchsenfelder. Jedes Feld enthält 50 achtpolige Buchsen, die in 5 Reihen mit je 10 Buchsen angeordnet sind. Zum Schalten werden achtpolige Stecker verwendet. Der Stecker muss während des Schaltvorganges um 90 Grad gedreht werden. Damit erfolgt eine Prüfung auf Doppelbelegung, bevor die Schaltung wirksam wird. Eine  Dppelbelegung löst akustische und optische Signale aus. Der Schrank gehört zum System RLVE 55 (Rundfunkleitungs-verstärkereinrichtung 55).

Bild: Rundfunk-Programmschalfeld mit 2 Buchsenfeldern

 

 

 

Telegrafie-Übertragungstechnik

Zur Telegrammübermittlung bedienten sich die Nachrichtenverwaltungen des Gentex-Netzes. Das war ein dienstliches Fernschreibnetz. Das öffentliche Pendant dazu war das Telex-Netz. Endgeräte für beide Netze waren Fernschreibmaschinen, die mittels Fernschreibleitungen und Fernschreib-vermittlungen miteinander in Verbindung treten konnten. In der Fernschreibmaschine wurde für jeden Buchstaben bzw. jedes Zeichen eine Impulsserie von 7 Impulsen erzeugt, die dann zur Empfangsmaschine übertragen wurde.

Gegenstand der Telegrafie-Übertragungstechnik war es, diese Impulstelegramme über große Entfernungen zu übertragen.  Realisiert wurde das u. a. mit Wechselstromtelegrafie-Einrichtungen. Bis zu 24 diskrete Frequenzen im Bereich von 300 Hz bis 3400 Hz wurden je mit Impulstelegrammen beim Sender getastet und beim Empfänger wieder in Impulstelegramme zurückverwandelt.

Wir können auf analoge Einrichtungen wie WT und WTT sowie auf digitale SZT zurückgreifen.

Trägerfrequenz-Übertragungstechnik

Diese Technik – auch als TF-Übertragungstechnik bezeichnet – diente dazu, die kostbaren Kupferleitungen mehrfach auszunutzen. Viele festeingestellte Sender arbeiteten in einem speziellen Frequenzband mit ebenso vielen fest eingestellten Empfängern zusammen. Da Verstärker (mit Röhren oder Transistoren) nur in einer Richtung arbeiten, waren dazu für Hin- und Rückleitung jeweils getrennte Übertragungswege erforderlich. Systeme für zwölf Wege und Vielfache davon waren im Einsatz. In der Sammlung sind bis auf Ausnahmen nur Geräte mit Halbleitern als aktive Bauelemente vorhanden. Ein Problem war die erforderliche Stabilität der Sender und Empfänger.

PCM-Übertragungstechnik

Diese Technik wurde bereits in der DDR angewandt und ist heutzutage Standard. Sie nutzte zunächst ebenfalls die Kupferleitungen mehrfach aus. Zum Einsatz kommen heute aber vorwiegend Glasfaserverbindungen. Im Gegensatz zur TF-Übertragungstechnik erfolgt hier die Übertragung digital und nacheinander, also nicht gleichzeitig.

pcm30Allerdings geschieht das so schnell, dass es das menschliche Ohr, ähnlich wie beim Film das Auge, nicht wahrnimmt. Wie bei der TF-Übertragungstechnik sind hier ebenfalls getrennte Übertragungswege erforderlich. Das Problem ist hier der unbedingte Gleichlauf der Takte zwischen den einzelnen Orten. Dieses Problem ist aber gut gelöst. Die PCM-Systeme basieren in der Regel auf 30 Kanälen und entsprechenden Vielfachen davon.

Das nebenstehende Foto zeigt ein PCM-30-System der ersten Generation (rechts), hier belegt ein System einen kompletten Gestellrahmen. Beim neueren System (links) können bereits vier PCM-30-Systeme in einem Gestellrahmen aufgenommen werden.

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