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Coschütz

Besuch der Feldschlößchen Brauerei in Dresden-Coschütz

Pünktlich 18.00 Uhr begann am 15.11.2007 unsere Exkursion in der Brauerei Coschütz.Wir bekamen in einem kleinen Raum Einblick über die Entstehung des Bieres.

Was ist eigentlich Bier? Es ist ein Getränk aus Malz, Hopfen, Hefe und Wasser (Reinheitsgebot). Es entsteht durch die alkoholische Gärung.
Bier besteht aus Kohlehydraten, Eiweiß, Mineralstoffen, Kohlensäure, Alkohol und, man staune, zu 90% aus Wasser.
Ein Liter Bier hat 380 Kalorien.

Es macht also nicht dick und ist auch für den Bierbauch nicht verantwortlich.

Man sollte es nicht glauben, aber bereits 6000 v. Chr. wurde bei den Sumerern das erste Bier „erfunden“. Nass gewordenes Brot geriet in Gärung und da man dazumal nichts wegwarf entdeckte man die berauschende Wirkung der vergorenen Masse. Man sprach vom sogenannten Brotbier. Später wurde alles von den Ägyptern übernommen. Diese gaben das Bier den Toten sogar als Grabbeigabe mit.

Vor ca. 3000 Jahren brachten dann die Phönizier das Bier auch in die nördlichen Gefilde. Bei den Germanen brauten die Frauen das Bier. Hier kam eine weitere wichtige Zutat hinzu – der Hopfen welcher Geschmack und Haltbarkeit entscheidend beeinflusste. Damit war die Zeit der berauschenden Brotbreimasse vorbei, das Bier im heutigen Sinne war erfunden. Im Mittelalter begannen dann in den Klöstern die Mönche mit der Brauerei. Weil jeder sein eigenes Bier braute, mit verschieden Gewürzen usw. hatte es Wilhelm IV. von Bayern endlich satt. Er gab am 23.04.1516 eine Lebensmittelvorschrift (die Älteste noch heute Gültige), das sogenannte „Reinheitsgebot“, heraus:

„Ganz besonders wollen wir, daß forthin allenthalben in unseren Städten und Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden“

(die vierte Zutat, die Hefe wurde erst im 19.Jahrhundert durch Louis Pasteur entdeckt)

Das Reinheitsgebot ist auch heute noch in Deutschland für untergärige (=nach der Gärung sinkt die Hefe nach unten, z.B. Pilsner Biere) Biere gültig.
Für obergärige Biere (= die Hefe schwimmt oben, z.B. Alt, Kölsch, Weizen usw.)  ist auch Malz aus anderen Getreidesorten wie Weizen, Dinkel, Roggen usw. sowie die Verwendung von Zucker zur Geschmacksanreicherung und Färbung zulässig.

Untergärige Hefen lieben Temperaturen um die 10°C. Die Zubereitung dieser Biere war deshalb früher nur in der kalten Jahreszeit möglich, hauptsächlich wurde deshalb obergäriges Bier, welches sich bei Temperaturen um die 20°C herstellen läßt, gebraut. Dank der Erfindung der Kältemaschine durch Carl von Linde im Jahr 1873 begann der Siegeszug des untergärigen Bieres.
Aber zurück zur Feldschlößchen Brauerei:

1858 entstand die Feldschlößchenbrauerei AG.

Leider wurde die Brauerei im 2. Weltkrieg zu 55% beschädigt.

Anfang der 1960er Jahre wurden die 3 in Dresden ansässigen Brauereien Feldschlößchen, Felsenkeller und Waldschlößchen zum VEB Dresdener Brauereien zusammengeschlossen.

1973 wurde der Grundstein für die Brauerei Dresden-Coschütz gelegt.

1981 fungierte die Brauerei als Stammbetrieb des Getränkekombinates.

1990 wurde die Sächsische Brauunion gegründet.

1992 wurde die Brauerei von der Holsten-Gruppe aufgekauft.

1995 erfolgte die Umbenennung zur Feldschlößchen AG Dresden.

1998 wurde das Feldschlößchen-Stammhaus im restaurierten Maschinenhaus der ehem. Feldschlößchen Brauerei eröffnet.

2004 erfolgte die Übernahme der Holsten-Gruppe durch den Carlsberg Konzern.

2006 kehrte das Pichmännel als Symbol „Original Dresdener Braukunst“ wieder zurück.

Mit einem kurzen Film über Sehenswürdigkeiten von Dresden und die Herstellung des Bieres endete die Einführung.

Nun begann unser Rundgang.

Wir bestaunten zuerst die Malzannahme.

Täglich liefern 6-8 LKW (ca. 200t) das Malz an.
Es wird in 16 Malzsilos a 100t gelagert.

Was ist eigentlich Malz?

In einer Mälzerei wird Gerste durch Zugabe von Wasser zum Keimen gebracht und dann getrocknet (gedarrt) bei 80 – 100 Grad. Je länger und heißer dies geschieht, desto dunkler wird das Malz, die Grundlage für die dunklen Biersorten.

Weiter ging es in das Sudhaus (da war es vielleicht warm). In das Sudhaus gelangt das Malz aus den Silos, welches vorher in der Schrotmühle zerkleinert wird, über Rohrleitungen und wird mit Wasser im Verhältnis 1:4 eingemaischt.

Es erfolgen 18 Sude/Tag, 10t Schüttung. Das ergibt eine Produktionskapazität von 2 Mio. hl/Jahr.

Im Sudkessel wird die Mischung während 2-3Std. auf ca. 80 Grad/C. erwärmt. Von da gelangt die Vorderwürze in den Läuterbottich. Hier wird die entstandene Masse in feste (Treber) und flüssige (Würze) Bestandteile getrennt = „geläutert“. Beim sogenannten Nachguß wird noch einmal ca. die gleiche Menge Wasser zugesetzt um auch die letzten Geschmackstoffe herauszulösen. Die übrig bleibende feste Masse, der Treber ist fast geschmacklos und wird herausgenommen und an die Landwirtschaft als Viehfutter verkauft.

Die flüssigen Bestandteile gelangen in die Würzpfanne.

Hier wird der Hopfen dazugegeben. Hopfen ist bekanntlich die „Seele des Bieres“. Er verleiht dem Bier den herb-bitteren Geschmack, verbessert die Haltbarkeit und stabilisiert den Schaum. Es werden heute Hopfenpellets verwendet. Geerntet wird der Hopfen vorwiegend in der Hallertau und in Tettnang.

Das Ganze wird ca. 1 Std. gekocht, um die Stammwürze zu erhalten. Stammwürze bezeichnet den Anteil der aus  dem Malz gelösten Stoffe in der noch unvergorenen Würze. Das sind vor allem Malzzucker, Eiweiß, Vitamine, Mineralien und Aromastoffe. Nach dem Kochen wird im Whirlpool die flüssige Würze von eiweißhaltigen Trubbestandteilen getrennt und die fertige  Würze abgepumpt und im Würzkühler auf 10 Grad/C abgekühlt.

Nun gelangt alles in den Gärtank. In diesem wird die Hefe zugegeben. Im Gärtank wandelt die Hefe den in der Würze gelösten Malzzucker in 1/3 Alkohol, 1/3 Kohlensäure und 1/3 Restextrakt. Die Hefe bestimmt den Charakter der Feldschlößchen-Biere. Der Hauptgang dauert 4- 5 Tage bei 10°C. Danach folgt die Reifephase (ebenfalls bei 10°C) und dauert 2-3 Tage. Das Ergebnis ist das sogenannte Jungbier.
Danach erfolgt die Lagerung bei  0°C noch einmal 10 Tage lang in den Gär- und Lagertanks. 48 Tanks á 2400 Hektoliter stehen auf dem Gelände. Man sieht sie gut von der Autobahn. Jeder dieser 48 Tanks entspricht 480 000 Flaschen Bier.

Das Bier ist aber noch nicht fertig. Es erfolgt noch die Filtration. Unter hohem Druck mit Hilfe fossiler Kieselalgen (chemisch neutral) wird die Hefe herausgefiltert. Dann erfolgt noch die Stabilisations- und Nachfiltration. Es entsteht die Glanzfeinheit des Bieres.

Nun kann es endlich abgefüllt werden. In einer riesigen Halle werden aus Rohlingen PET-Flaschen hergestellt und diese dann gefüllt, etikettiert und verschlossen (36000Flaschen/h). Auch die Mehrwegflaschen werden mit einem Roboterarm kastenweise auf die Laufbänder gestellt. Der leere Kasten kommt auf ein anderes Band. Die Flaschen werden ausgewaschen, getrocknet und von den Etiketten befreit.
Aus der Reinigungstrommel laufen die Flaschen in die Abfüllung und kommen gefüllt, etikettiert und verschlossen heraus ( 2 Bänder, eines 26000 Flaschen/h, eines 55000Flaschen/h). Ein Roboterarm füllt die ebenfalls gereinigten Kästen mit einem Mal. Es war faszinierend.

Die Fassabfüllung für 30 und 50 Liter Fässer erfolgt in der Keganlage (120 Fässer/h).

Die gefüllten Kästen und Fässer werden in der Vollguthalle abgestellt (5300 Quadratmeter Lagerkapazität,
16000 Palettenstellplätze). Die auf dem Hof gut sichtbaren Türme von Bierkästen sind nur Leergut.

8 Gabelstapler sind zum Verladen von Feldschlößchen, Schwarzer Steiger, Holsten-Bier von 8-22Uhr unterwegs. Eigene Fahrzeuge und Fremdfirmen bringen das Bier an den Bestimmungsort. Aber auch einige Händler holen das Bier selbst ab.

Auch Lübzer Pilsner wird in Coschütz in Flaschen abgefüllt. Es wird in Tankwagen angeliefert.
Zum Abschluß der tollen Führung wurden wir noch ins Braustübl eingeladen.

Hier erwartete uns ein Imbiß und frisch gezapftes Feldschlößchen, Schwarzer Steiger, Radler usw.
Es war ein wirklich gelungener Abend.

Übrigens das Wasser zur Herstellung des prima Bieres kommt aus den Trinkwassertalsperren im Erzgebirge.

Bericht: Henny Treiber, Fotos: Samir Köckritz